„Nun ist die Welt so trübe, der Weg gehüllt in Schnee“ – diese Zeile stammt aus dem Liederzyklus „Die Winterreise“ von Wilhelm Müller. Franz Schubert hat sie vertont und damit einen Dichter vor dem Vergessen bewahrt, der zu seiner Zeit zwar vielgelesen war, aber heute neben Achim von Arnim, Clemens Brentano und Novalis als „B-Romantiker“ gilt.

Wilhelm Müller hat viel über das Wandern geschrieben – seine „Winterreise“ ist ein Werk voller Schmerz und Trauer, die ein einsamer Wanderer über den Verlust seiner Liebsten verspürt. Untröstlich und allein zieht er durch eiskalte, verschneite Landschaft und ringt mit sich selbst und seiner Todessehnsucht. Auf seinen Spuren wanderte nun Freddy Langer, Leiter des Reiseblatts der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und Mitglied der Feuilleton-Redaktion, von Dessau nach Quedlinburg und schrieb darüber einen wunderbaren Artikel. Eigenes Wandererleben mischt er mit Reflexionen über die Texte der Winterreise und das Leben Wilhem Müllers – dem er sich nur schwer annähern kann, weil er so wenig über ihn weiß. Dennoch fühlt er eine kleine Seelenverwandtschaft mit ihm – und zieht das Fazit: „Im Winter zu wandern kann Freude machen. Und der grausige Winter bei Müller ist ja keine Jahreszeit, sondern ein Zustand.“

Wer eine sehr schöne Interpretation der „Winterreise“ hören will, dem empfehlen wir übrigens diese hier von Ian Bostridge und Julius Drake. Und dass sich Winterwanderungen lohnen – darüber bloggen wir in den nächsten Tagen.